Glasfaser-Link bleibt dunkel: Ursachen bei fehlender Verbindung zwischen SFP-Modul und LWL-Patchkabel finden
Das SFP-Modul steckt, das Patchkabel ist angeschlossen, und trotzdem leuchtet keine Link-LED und der Port bleibt down. In der Praxis liegt die Ursache fast immer bei einem von fünf Punkten: vertauschte Fasern, falscher Fasertyp oder falsche Wellenlänge, verschmutzte Steckgesichter, zu enge Biegeradien oder ein defektes Kabel. Dieser Beitrag zeigt, in welcher Reihenfolge Sie diese Punkte prüfen und wie Sie den Fehler mit wenig Aufwand eingrenzen.
Was prüfe ich zuerst, bevor ich Kabel tausche?
Beginnen Sie bei den Dingen, die sich ohne Werkzeug klären lassen. Sitzt das Modul sauber im Käfig und ist es eingerastet? Sind die Dust-Caps von Modul und Stecker abgenommen? Zeigt das Switch- oder Router-Log, dass das Modul erkannt wird? Manche Geräte melden ein nicht unterstütztes Modul oder deaktivieren den Port, in dem Fall liegt das Problem nicht an der Faser. Prüfen Sie außerdem, ob beide Seiten der Strecke gleich konfiguriert sind und der Port nicht administrativ abgeschaltet ist. Erst wenn das Modul erkannt wird und der Port aktiv ist, lohnt sich die Suche an der Faser.
Sind die Fasern vertauscht?
Bei LC-Duplex besteht jede Strecke aus zwei Fasern: Der Sender (Tx) der einen Seite muss auf den Empfänger (Rx) der Gegenseite treffen und umgekehrt. Ein einzelnes Patchkabel verbindet Tx und Rx in der Regel gekreuzt. Bei zwei Kabeln mit einer Kupplung dazwischen oder bei Patchfeldern kann die Polarität leicht kippen: Wer eine gerade Verbindung erwartet und stattdessen eine zusätzliche Kreuzung einbaut, hat Tx auf Tx.
Die Lösung ist simpel: Ziehen Sie an einer Seite den Duplex-Stecker ab, drehen Sie die beiden Fasern über den Clip um und stecken Sie neu. Viele LC-Duplex-Clips lassen sich dafür öffnen. Leuchtet danach die LED, war es die Polarität. Dieser Test dauert eine Minute und sollte immer vor aufwendigeren Maßnahmen stehen.
Passen Fasertyp und Wellenlänge zusammen?
Das Modul und das Kabel müssen zueinander passen. Ein Singlemode-Modul (typischerweise für 1310 nm oder 1550 nm) braucht Singlemode-Kabel mit 9/125 µm, bezeichnet als OS2. Ein Multimode-Modul (meist 850 nm) arbeitet mit Multimode-Fasern wie OM3 oder OM4. Mischen Sie beides, kommt entweder gar kein oder ein unbrauchbares Signal an.
Lesen Sie dazu die Beschriftung auf dem Modul: Dort stehen Standard und Wellenlänge. Achten Sie auch auf die Farbe des Kabelmantels. Gelb steht üblicherweise für Singlemode, ist aber nur ein Hinweis, die Aufdruckbeschriftung auf dem Mantel ist verlässlicher. Bei Singlemode-Strecken kommt hinzu, dass beide Enden zusammenpassen müssen. Bei Modulen mit zwei verschiedenen Wellenlängen auf einer einzelnen Faser (BiDi) braucht jede Seite das passende Gegenstück. Zwei identische BiDi-Module verbinden sich nicht.
Für eine reine Singlemode-Strecke zwischen zwei Geräten im selben Gebäude eignet sich ein kurzes Duplex-Kabel wie das LWL Patchkabel LC/LC Duplex 1m OS2 Singlemode. Bei etwas mehr Abstand zwischen Rack und Gerät passen die Varianten mit 2 m oder 3 m Länge. Das gilt nur, wenn Ihre Module tatsächlich Singlemode-Module sind.
Ist das Steckgesicht verschmutzt?
Staub oder Fingerfett auf der Faserendfläche ist eine der häufigsten Ursachen für schwache oder fehlende Verbindungen. Der Faserkern misst bei Singlemode nur 9 µm, schon ein Partikel kann das Licht blockieren. Das gilt auch für neue Kabel: Die Dust-Caps schützen, aber nicht in jedem Fall zuverlässig.
Reinigen Sie beide Steckerenden mit einem Faserreinigungsstift oder speziellen Reinigungstüchern. Den Port im Modul reinigen Sie mit passenden Stäbchen für LC-Anschlüsse. Verwenden Sie keine Druckluft aus der Dose mit Treibmittel und berühren Sie die Endflächen nicht. Blicken Sie niemals bei eingeschaltetem Modul in den Port oder auf das Kabelende, da Laserstrahlung unsichtbar sein kann.
Wie erkenne ich geknickte oder defekte Kabel?
Zu enge Biegeradien dämpfen das Licht oder unterbrechen es ganz. Prüfen Sie, ob das Kabel irgendwo scharf abgeknickt, eingeklemmt oder von einer Tür oder Kabelbinder gequetscht wird. Als Faustregel halten Sie beim Verlegen großzügige Radien ein; die genaue Angabe finden Sie im Datenblatt des Kabels. Besonders kritisch sind Stellen direkt am Stecker.
Ein defektes Kabel erkennen Sie am schnellsten durch Austausch: Stecken Sie ein nachweislich funktionierendes Testkabel gleicher Art an. Bei längeren Strecken lässt sich mit einer Prüflichtquelle (Visual Fault Locator) sichtbar machen, ob und wo Licht austritt. Das ist eine Messung für den Fachbetrieb, aber oft schon mit einfachem Gerät machbar.
Checkliste für die Fehlersuche
1. Modul eingerastet, vom Gerät erkannt, Port aktiv? 2. Dust-Caps entfernt? 3. Modultyp und Kabel: Singlemode an Singlemode, Multimode an Multimode? 4. Wellenlänge und Gegenstelle passend (bei BiDi: gegensätzliche Paare)? 5. Faserpaar an einem Ende gedreht (Tx/Rx-Polarität)? 6. Beide Steckgesichter und Modulports gereinigt? 7. Kabel auf Knicke, Quetschungen und enge Radien geprüft? 8. Testkabel oder anderes Modul zur Gegenprobe eingesetzt?
Arbeiten Sie die Punkte der Reihe nach ab und ändern Sie jeweils nur eine Sache. So wissen Sie nach jedem Schritt, was den Fehler behoben hat, und finden bei der nächsten Strecke schneller zum Ziel.
Wenn die Strecke trotz dieser Schritte dunkel bleibt oder Sie unsicher sind, welches Modul zu Ihrer Faser passt, hilft Ihnen der Fachbetrieb gern weiter.