Welche Glasfaser-Strecke schafft mein SFP-Modul? Reichweite, Dämpfung und Patchkabel-Länge richtig berechnen

Die Reichweitenangabe auf einem SFP-Modul, etwa 10 km oder 20 km, gilt für eine saubere Strecke mit wenigen Verbindungen. Ob Ihre konkrete Strecke funktioniert, entscheidet das Dämpfungsbudget aus Faser, Steckverbindungen und Reserve. Hier steht, wie Sie das selbst nachrechnen und worauf Sie bei kurzen Strecken im Serverraum achten müssen.

Wie ergibt sich die Reichweite eines Singlemode-Moduls?

Die Modulklasse sagt, bis zu welcher Länge der Hersteller den Link zusichert. Technisch steckt dahinter ein Leistungsbudget. Das Modul sendet mit einer Mindestleistung, und die Gegenstelle braucht mindestens eine bestimmte Empfangsleistung (Empfindlichkeit). Die Differenz ist die Strecke, die das Licht an Dämpfung verlieren darf.

Beide Werte stehen im Datenblatt des Moduls. Die Kilometerangabe ist nur eine Faustregel, die vom Faserverlust pro Kilometer und einer pauschalen Reserve ausgeht. Rechnen Sie mit den Datenblattwerten Ihres Moduls, nicht mit der Klassenbezeichnung.

Wie stelle ich ein Dämpfungsbudget auf?

Sie summieren alle Verluste der Strecke und ziehen sie vom verfügbaren Budget ab. Was übrig bleibt, ist Ihre Reserve. Ein Rechenbeispiel mit angenommenen Werten, die nicht zu einem bestimmten Modul gehören:

  • Verfügbares Budget laut Datenblatt: 6 dB
  • Faser: 4 km bei angenommenen 0,4 dB/km → 1,6 dB
  • Vier Steckverbindungen (je zwei an den beiden Patchfeldern) bei angenommenen 0,5 dB je Verbindung → 2,0 dB
  • Summe der Verluste: 3,6 dB
  • Verbleibende Reserve: 2,4 dB

Setzen Sie für Steckverbindungen eher vorsichtige Werte an, als auf Bestwerte zu hoffen. Die tatsächlichen Faserwerte entnehmen Sie dem Datenblatt des Kabels oder dem Messprotokoll des Streckenbetreibers. Eine Reserve von einigen dB sollten Sie immer einplanen. Faser altert, Stecker verschmutzen, und später kommt vielleicht ein Spleiß dazu.

Verringern zusätzliche Patchkabel die Reichweite?

Ja, aber nicht durch ihre Länge. Ein paar Meter Singlemode-Faser verursachen praktisch keine zusätzliche Dämpfung. Jedes weitere Patchkabel bringt aber eine weitere Steckverbindung in die Strecke, und die kostet. Zwei zusätzliche Patchkabel in einer Kette bedeuten zwei zusätzliche Steckverbindungen.

Deshalb sollten Sie in der Planung Verbindungen zählen, nicht Meter. Jeder Übergang, etwa Modul zu Patchkabel, Patchkabel zu Kupplung oder Kupplung zu Patchfeld, geht als Posten in die Rechnung ein. Verschmutzte Stirnflächen verschlechtern den Wert deutlich. Reinigen Sie die Stecker daher vor jedem Stecken, auch bei neuen Kabeln.

Reichen kurze Patchkabel mit 1 m, 2 m oder 3 m im Serverraum?

Für den Aufbau im Rack und zwischen benachbarten Racks reichen sie in der Regel. Die Länge richtet sich nach der Verlegung, nicht nach der Optik: Das Kabel braucht genug Spielraum für einen sauberen Biegeradius und darf nicht auf Zug stehen. Planen Sie lieber eine Stufe länger, statt das Kabel zu spannen.

Für Singlemode im Rack passen zum Beispiel das LWL Patchkabel LC/LC Duplex OS2 1 m für Module im selben Gerät oder Nachbarport, das LC-LC Patchkabel Duplex OS2 2 m für Verbindungen zum Patchfeld im selben Rack und das LWL Patchkabel LC-LC Duplex OS2 3 m, wenn das Kabel in der Kabelführung verläuft. Achten Sie darauf, dass Kabel und Modul zusammenpassen: OS2 (9/125) für Singlemode-Module, nicht für Multimode-Module.

Beim Duplex-Anschluss muss der Sender des einen Moduls am Empfänger des anderen enden. Kommt kein Link zustande, tauschen Sie an einem Ende die beiden LC-Stecker (Polarität).

Wann braucht eine zu kurze Strecke ein Dämpfungsglied?

Das Problem ist nicht nur zu viel, sondern auch zu wenig Dämpfung. Jeder Empfänger hat eine maximale Eingangsleistung. Wird sie überschritten, ist er übersteuert, und es kommt zu Bitfehlern oder im ungünstigen Fall zu einem geschädigten Empfänger.

Das betrifft vor allem Module mit größerer Reichweite, etwa 40 km oder mehr, wenn Sie sie im Labor oder zwischen zwei Racks direkt verbinden. Bei 10-km-Modulen ist die Überlastgrenze oft unkritisch, aber das hängt vom Modell ab. Prüfen Sie im Datenblatt die maximale Empfangsleistung und vergleichen Sie sie mit der minimalen Sendeleistung des Gegenmoduls minus der Dämpfung Ihrer kurzen Strecke. Liegt der Wert über der Überlastgrenze, setzen Sie ein Dämpfungsglied passend zur Wellenlänge und zum Steckertyp ein. Es gehört an den Empfängerseite des Links.

Worauf achte ich vor dem Kauf noch?

  • Wellenlänge und Faserart: Beide Module müssen zur selben Wellenlänge passen, und die Faser muss Singlemode sein.
  • Steckerschliff: Mischen Sie keine APC- und UPC-Stecker. Das passt mechanisch nicht und erhöht die Dämpfung stark.
  • Messen statt schätzen: Bei längeren Strecken oder fremder Verkabelung lohnt eine Messung mit Leistungsmesser, bevor Sie das Budget auf Annahmen stützen.
  • Reserve: Planen Sie nie bis an die Grenze des Moduls.

Bei Fragen zu Ihrer Strecke, zu Modulen oder zu passenden Kabeln hilft Ihnen unser Fachbetrieb gern weiter.